In einem sehr speziellen Beitrag der zahnärztlichen Mitteilungen, der unter der Rubrick Psychologie für Zahnärzte firmiert, würzt die Autorin wissenschaftliches zum Thema Lernen mit „Lernprinzipien nach Carl Rogers“. Im Folgenden der Wortlaut unseres Leserbriefs.
Der amerikanische Psychologe Carl Rogers hat sich in seinem umfangreichen Werk auch mit Lehr- und Lernprozessen auseinandergesetzt. In Ihrem Beitrag überträgt die Psychologin Dr. Lea Höfel „Lernprinzipien Carl Rogers“ in Hygienevorschriften von Zahnarztpraxen – und wird dabei dem personzentrierten Ansatz, der Rogers Werk wie eine roter Faden durchzieht und die Basis seiner Arbeit schlechthin darstellt, nicht gerecht.
Carl Rogers (1902-1987) gilt ohne Zweifel als die herausragende Persönlichkeit in der humanistischen Psychologie, sein personzentrierter Ansatz hat wie kein anderer die Sicht auf menschliches Denken und Handeln strukturiert und erfahrbar gemacht. In seinem 1969 erschienenen Buch „Lernen in Freiheit“ beschrieb er Voraussetzungen, die Neugierde und Lernbereitschaft fördern und Bedingungen unter denen Lehrende sich entfalten können. Dort weist Rogers eindringlich auf die Bedeutung eines Klimas des Vertrauens hin, das den natürlichen Wunsch eines jeden Menschen zu lernen nährt und stärkt. Aber wie schafft man nun diese Umgebung des Vertrauens? In seinem personzentrierten Ansatz beschrieb Rogers die jedem Menschen innewohnende Fähigkeit nach positiver Weiterentwicklung, die im zugleich Bedürfnis ist: sei es weniger Unzufriedenheit, Sorge und Angst oder einfach nur mehr Erfolg in der Schule oder am Arbeitsplatz. Diese Weiterentwicklung oder „Aktualisierung“ wird aber nur in einer Atmosphäre der Angstfreiheit stattfinden, in einer Umgebung des Vertrauens, die sich durch Akzeptanz, Wertschätzung und nicht an Bedingungen geknüpfte, positiven Beachtung auszeichnet. Rogers erkannte, dass persönliche Weiterentwicklung nur in der empathischen Begegnung mit anderen erfolgt und Geringschätzung und Abwertung zu Stillstand und Rückzug in die innere Immigration führt.
Es mag dahingestellt sein, ob Hygieneprozesse in Zahnarztpraxen durch Teammitglieder verbessert werden, die „den Ekel spüren“, wie Höfel ausführt, oder Zahnärzte das „Einhalten von Vorschriften lobend kommentieren“ sollen – nach einer sorgfältigen Durchdringung der zutiefst menschlichen Gedankenwelt Carl Rogers klingt es jedensfalls nicht.